Museum für Gestaltung widmet Modeillustrator umfassende Ausstellung

Veröffentlicht am 22. Juli 2011 von Werner Rolli

François besitzt eine unverkennbare Handschrift in der grafischen Umsetzung von Kleidern, Schuhen, Taschen, Parfums und Accessoires. Mit Illustrationen für Magazine wie «Vanity» oder «Vogue» erlangte er Weltruhm. Seine expressiven, ästhetischen Linolschnitte, Tropfenbilder und Computergrafiken sind Teil von Kampagnen, die die Wahrnehmung und den Erfolg von Modehäusern – von Yves Saint Laurent und Bulgari über Ferragamo bis zu Viktor&Rolf oder Christian Dior – mitprägen.
Sein Werk vermittelt die Facetten visueller Verführung in doppeltem Sinn: Sowohl in der Mode wie auch in deren illustrativer Interpretation dreht sich alles um eine explizite oder verborgene Botschaft, um Andeutung, Prägnanz und Ästhetik.
Dabei spielt die erotische Komponente eine tragende Rolle, wie er selbst sagt: «Erotik ist ein Dauerthema, auch in der Werbung. Illustrationen können jedoch gegenüber der Fotografie mehr Raum für Vorstellungen und Interpretationen bieten.»
Die Ausstellung ist in drei Bereiche unterteilt. Sie führt über Vorstudien und Zwischenschritte an die Werke heran und vermittelt so den Entstehungsprozess dieser suggestiven Bildwelt. Empfangen wird das Publikum mit einem eigens produzierten Film (von Eric Stitzel), der den Linoldruck von der ersten Skizze bis zum Endprodukt, also den finalen Prints, begleitet. Dieser Film beleuchtet den Weg, auf welchem Berthoud eine Fotografie als Ausgangslage auf ihre visuelle Essenz reduziert – auf jene wenigen Linien, die als Basis für das Schneiden der Linolplatte dienen.
Der zweite Teil der Ausstellung ist den finalen Prints gewidmet. François Berthoud hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrere eigenständige Bildtechniken (meist Druckverfahren) entwickelt, die als Basis für die Inserate, Verpackungen, Magazine und Kampagnen seiner Kunden dienen. Die meisten Arbeiten werden ohne Glas und ungerahmt gezeigt, denn nur so wird die ganze Struktur und Farbintensität seiner Werke sicht- und erlebbar. Kundenarbeiten für Calzedonia, Brioni oder den Galeries Lafayette finden sich neben Porträtstudien von Karl Lagerfeld und Sonja Rykiel.
Zwei Studios innerhalb der Ausstellung bilden den dritten Bereich und eröffnen einem Einblicke in die Werkprozesse : Eines ist den Vorstudien, Skizzen, Reinzeichnungen und dem Schneiden der Linolplatten gewidmet. Das andere Studio schlüsselt ausgewählte Arbeitsschritte auf : Von der ersten Skizze über Berthouds Farbklaviaturen bis zur publizierten Kam-pagne kann nachvollzogen werden, wie François Berthoud seine Werkprozesse strukturiert, um Bildresultate zu erlangen, die auch in einer schnelllebigen Modewelt jeden Zeitgeist überdauern.
François Berthoud wurde 1961 in Le Locle geboren und studierte an der Kunstgewerbeschule in Lausanne Grafikdesign. 1983 begann er für das Verlagshaus Condé Nast in Mailand als Art Director zu arbeiten. Parallel dazu konnte er seine Werke wiederholt im Magazin Vanity publizieren, das sich schnell als internationale Referenz für Modeillustrationen etablierte.
Nach langjährigen Aufenthalten in Mailand, New York und Paris führt Berthoud sein Studio seit 2008 in Zürich. Hier arbeitet er im Auftrag internationaler Modehäuser, aber auch für die grössten Titel der Welt – so zierte Anfang 2011 sein Porträt des Wikileaks-Gründers Julian Assange das Cover des New York Times Magazine.

Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellung bis 9. Oktober 2011
Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr,
Mittwoch 10–20 Uhr
Lange Nacht der Museen 3./4. September 19–02 Uhr
Ausstellungsstrasse 60,
8005 Zürich
www.museum-gestaltung.ch

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