Colormanagement – ein Buch mit sieben Siegeln?
Veröffentlicht am 21. Dezember 2011 von Werner Rolli

Rendering Intents, Farbraumtransformation oder Zuweisung, Arbeitsfarbraum, PCS, Lab, Kalibration, Profilierung, PDFx … diese Liste könnte problemlos erweitert werden. Wenige Themenbereiche des modernen Publishing verwirren den Einsteiger mit so vielen Fachbegriffen, wie das Colormanagement.
Doch wie findet man den Einstieg in ein solch wichtiges Thema, zu dem in Internetforen, auf Homepages, in Fachbüchern und Zeitschriften so viel widersprüchliches geschrieben wird?
Es ist einfacher als man denkt: hat man zunächst einige Zusammenhänge erfasst und befolgt einige wenige Regeln, so verfügt man über Wissen, das viel Zeit, Papier, Tinte und damit Geld sparen kann.
Essentiell ist das Verständnis für die Entstehung des Farbeindrucks. Dieser wird nicht nur durch objektive Parameter wie Licht und das dadurch beleuchtete Objekt erzeugt, sondern auch durch unser subjektives Farbempfinden, das Farbgedächtnis und die Unzulänglichkeiten menschlichen Sehvermögens. Ebenso spielen Bedruckstoffe und verwendete Farben (wasserbasierend, ölbasierend, pigmentiert oder nicht) eine grosse Rolle.
Doch wie entsteht eigentlich der Farbeindruck? Rein objektiv betrachtet trifft Licht auf ein Objekt und ein Teil der Wellenlängen wird absorbiert, der Rest zurückgeworfen. Letzteres trifft auf die Retina unseres Auges, deren Zäpchen und Stäbchen unseren Eindruck von Farbe erzeugen.
Doch genau wie jeder Mensch über ein mehr oder weniger unterschiedliches Farbempfinden verfügt, so unterschiedlich sind die Farbräume, die Ein- und Ausgabegeräte, mit denen wir täglich zu tun haben, erzeugen oder wiedergeben können.
Um den Farbumfang jeden Gerätes zu beschreiben, wurden sogenannte ICC-Profile entwickelt, die Tabellen aus hunderten oder sogar tausenden Lab-Werten und den vom Gerät umsetzbaren Farben (RGB oder CMYK), sowie diverse andere Werte und Umrechnungsformeln enthalten.
Eine Kamera ist in der Lage, deutlich mehr Farben zu erfassen, als beispielsweise auf einem Inkjetdrucker oder im Offsetdruck reproduziert werden können. Um diese Profile miteinander zu verknüpfen und so die Möglichkeit zu erhalten, einen konsistenten Farbeindruck auf verschiedenen Wiedergabemedien zu gewährleisten, verwendet man den sogenannten PCS (Profile Connection Space, meist Lab). Er ist im Grunde genommen ein Rechenmodell, dass alle theoretisch darstellbaren Farben als L (Helligkeit), a (Grün-Rot-Achse) und b (Blau-Gelb-Achse) enthalten kann.
Dieser PCS ist die Grundlage der Umrechnung aller Farben von einem Eingabegerät zu jedem beliebigen Ausgabegerät. Er enthält ein «Übersetzungsmodell», in dem die individuellen RGB-Werte eines Gerätes als neutrale Lab-Werte enthalten sind und es so möglich macht beinahe beliebig zwischen diesen unterschiedlichen Farbräumen zu transformieren. Gäbe es keinen PCS, so müsste zwischen allen Ein- und Ausgabegeräten gesondert umgerechnet werden, was eine deutlich höhere Anzahl an Transformationstabellen nötig machen würde.
Verfügt man also über alle Farbprofile für Ein- und Ausgabegeräte, so hat man einen Grossteil schon geschafft. Doch es gibt noch mehr als die geräteabhängigen Farbräume und den PCS. Nämlich die geräteunabhängigen Arbeitsfarbräume, wie z. B. AdobeRGB, sRGB, eciRGB usw. Sie dienen dazu, von geräteabhängigen Werten (wie z. B. Kameras und Scannern) in geräteunabhängige wie diese umzurechnen. Warum? Diese unabhängigen Arbeitsfarbräume sind für jeden öffentlich zugänglich und somit wird vermieden, dass beispielsweise bei einem gescannten Bild ein vermeintlich unbekanntes Profil aus Unkenntnis verworfen wird und dieses nun über keine Informationen zum verwendeten Farbraum mehr verfügt.
Grundsätzlich ist ein digitales Bild ohne gültigen Farbraum völlig wertlos. Es kann nur mit viel Glück und Fachwissen richtig wiedergegeben werden, da grundsätzliche Informationen ohne Profil verloren sind.
Verfügt das Bild über ein entsprechendes ICC-Profil, so ist es auch möglich, dieses über den PCS in ein Ausgabeprofil umzurechnen und somit auf einem kalibrierten und profilierten Monitor richtig darzustellen sowie auf einem Drucker, Proofgerät oder einer Druckmaschine auszugeben.
Hat man erst einmal erfasst, wie Profile richtig einzusetzen sind, so stellt es kein Problem mehr dar, mit diesen richtig umzugehen und auf Monitor und Drucker nahezu identische Wiedergaben zu erzeugen. Wie dies im Detail funktioniert, erläutern wir Ihnen gerne in einem unserer Colormanagement-Seminare oder in Einzelschulungen.
Sie erhalten bei uns nicht nur das nötige Fachwissen, sondern auch Soft- und Hardware um selbst Profile erstellen zu können. Oder nehmen Sie unseren Diensleistungsservice in Anspruch und lassen Sie sich einen Workflow einrichten, der Ihnen den Umgang mit richtigen Farben so einfach wie möglich macht.
Colormanagement Seminare gibt’s laufend bei Light + Byte, die jeweiligen Kursangebote sind zu finden unter:
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